Die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts waren vom Glauben an die technisch-industrielle Revolution geprägt, die mit Siebenmeilenstiefeln voranschritt.
Kreativität, Fortschritt und Tempo waren Triebfedern einer Epoche, die Aufbruch und Hoffnung nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges widerspiegelte.
Auch in der Kunst suchte man nach neuen Ausdrucksmitteln, die den Zeitgeschmack am besten widergeben konnten, rationell einsetzbar und günstig waren und trotzdem den Hauch des Besonderen vermittelten.
Künstler wie El Lissitzky, Kandinski, Theo van Doesburg, Piet Mondrian, Paul Klee, Gunda Stölzl, Oskar Schlemmer, Johannes Itten, Moholy-Nagy, oder Walter Gropius prägten einzelne Stilrichtungen wie Kubismus, Konstruktivismus, Suprematismus, DeStijl, Neue Sachlichkeit, Bauhaus...
Im Bereich der Keramikkunst machten sich z.B. Trude Petri, Martha Katzer, Paul Speck, Herman Gretsch und Artur Hennig einen Namen.
Das an sich nicht neue Spritzverfahren erlebte in der relativ kurzen Phase von sechs bis acht Jahren eine Renaissance. (Etwa 1926-1933).
Die ungefähr seit 1890 bekannte Technik verbringt mittels eines Aerographen (Spritzpistole) farbige Ornamente auf den bereits getrockneten Scherben.
Es wurde entweder freihändig oder mit Hilfe von Schablonen gearbeitet.
Rationelles Arbeiten und individuelle künstlerische Freiheit gingen so auf ideale Weise Hand in Hand.
Für relativ wenig Geld konnten sich von wirtschaftlicher Depression und beginnender Massenarbeitslosigkeit geprägte, sogenannte untere Schichten die große weite (Kunst)welt ins Wohnzimmer holen.
Geometrische Ornamente und Dekore, auf Keramik und Porzellan, Blechdosen, Tapeten und Textilien griffen die Formensprache der führenden Künstler der damaligen Zeit auf, ehe diese nach 1933, als undeutsch geächtet, vom "Streublümchen" mit aller Macht in den anheimelnden (unheimlichen) Wohnwelten wieder verdrängt wurden.